Offene Kindergartenarbeit
Den offenen Kindergarten gibt es nicht! Das Konzept hat jedoch Strukturmerkmale, die in jeder Einrichtung individuell umgesetzt werden können. In unserer Einrichtung sieht es so aus:
Strukturmerkmal: Differenzierte Raumstruktur
Im offenen Kindergarten richtet sich die Raumgestaltung nicht mehr nach einem Gruppenraum-Konzept, in dem eine Miniaturausgabe von Puppenecke, Bauecke, Kuschel - oder Leseecke und zahlreiche Tische und Stühlen zu finden sind.
Vielmehr werden die Räume nach verschiedenen Schwerpunkten gestaltet, wobei darauf geachtet wird, dass sich die einzelnen Bereiche nicht gegenseitig stören. Diese Räume werden nach ihrer Funktion, beispielsweise als Kreativraum, Bauraum oder Lesezimmer bezeichnet.
Die Verantwortlichkeiten werden im Team anhand eines Dienstplanes aufgeteilt. Die Kinder werden nach Möglichkeit in die Gestaltung der Räume einbezogen. In unserem Kindergarten findet ein Raumwechsel der Erzieherinnen alle sieben Wochen statt und wird mit den Kindern besprochen und durchgeführt.
Es gibt im Flur einige Funktionsecken, in denen sich kleine Kindergruppen, nach Absprache, allein aufhalten dürfen. Hierzu zählen das Bällchenbad, der Sternraum und die Rollenspielecke. Themenkisten für die Spielecken können auf Anfrage bei den Erzieherinnen geholt werden.
Die Atmosphäre in den einzelnen Räumen ist entspannter. Die Raumgestaltung bietet den Kindern mehr Rückzugsmöglichkeiten und intensivere und ungestörte Spielkontakte. Der Lärmpegel im Raum senkt sich und die Zusammenstöße und Konflikte zwischen den Kindern nehmen ab. Konzentration und Muße bei Arbeit und Spiel sind eher möglich.
Ihren momentanen Aufenthaltsort zeigen die Kinder durch ihren Magnetbutton mit Foto an der Pinnwand neben der Tür des jeweiligen Raumes an.
Strukturmerkmal: Klare Zeitstruktur
Die Zeitstruktur (Tagesablauf) wurde von unserem Team individuell für unsere Kita erarbeitet und den örtlichen Gegebenheiten angepasst. Zum Tagesablauf gehören immer:
Die Kinder werden morgens an der Rezeption angemeldet: Hier kann auch Essen bestellt und Getränkegeld bezahlt werden. Infobriefe werden verteilt und Rücklaufzettel angenommen.
| 7:15–8:15 Uhr | Frühgruppe | Kinder werden gebracht und hängen an der Magnetwand ihren Button in den Raum, in dem die Frühgruppe stattfindet. |
| 8:15–9:00 Uhr | Bring – und Freispielzeit | Die Kinder können sich einen Funktionsraum zum Spielen auswählen. |
| 9:00 Uhr | Ende der Bringzeit! | |
| 9:00–9:30 Uhr | Morgenkreis | Anwesenheitskontrolle, Zeit mit der Stammgruppenerzieherin, Gesprächsrunde, kleine Lieder oder Spiele, Präsentation der Angebote. Die Teilnahme ist verpflichtend! |
| 9:30–11:40 Uhr | Freispielzeit | Freie Wahl des Spielortes, Spielpartners und Spielangebotes. |
| 9:30–11:40 Uhr | Angebote | Zu bestimmten Themen, für bestimmte Altersgruppen, mit unbegrenzter oder begrenzter Teilnehmerzahl in den Funktionsräumen. |
| 9:30–11:00 Uhr | Frühstück | Freies Frühstück in der Cafeteria. |
| 11:30 Uhr | Gong – Mittagstreff | Buskinder, Abholkinder und Spätkinder treffen sich in bestimmten Räumen |
| 11:45-12:45 Uhr | Warmes Mittagessen | Für Ganztagskinder, in zwei Gruppen, in der Cafeteria. Danach Mittagsschlaf für die kleinen Ganztagskinder im Mininest. |
| Ab 12:00 Uhr | Abholzeit | Kinder können wieder abgeholt werden und hängen ihre Buttons wieder auf das Feld „Ich bin zuhause“. |
| 12:00–12:30 Uhr | 2. Frühstück | Für Kinder, die länger bleiben und nicht am warmen Essen teilnehmen. |
| 13:00-14:15 Uhr bis 16:00 Uhr | Spätgruppe Blocköffnung | Je nach Anzahl werden die Kinder in zwei Gruppen unterteilt. |
Neben dem Tagesablauf gibt es auch eine Wochenstruktur, bestimmte Angebote an festgelegten Tagen setzen auch manchmal den normalen Tagesablauf außer Kraft (z.B. Waldtag, Ausflug, Feste).
Montags findet ein großer Morgenkreis mit allen Kindern und Erzieherinnen im Turnraum statt. Nach einem Begrüßungslied werden hier auch die besonderen Angebote der Woche vorgestellt. Dienstags arbeiten die Maxikinder an ihrem Projekt. Mittwoch ist Waldtag und die Vorlesepatin besucht uns. Jeden Donnerstag bieten wir in der Cafeteria ein Frühstücksbüfett an und am Freitag kommt der Handwerkspate zum Werken. Rituale geben einzelnen Tagesschwerpunkten eine wiederkehrende Struktur (z.B. Sprechstein im Morgenkreis). Signale, wie Gong oder Triangel, zeigen den Kindern den Beginn des Morgenkreises oder das Ende der Frühstückszeit an.
Strukturmerkmal: Stammgruppen
Die Kinder sind in 5 Stammgruppen und das Mininest unterteilt.
Unsere Stammgruppen und ihre Leiterinnen:
| Stammgruppe 1 | Elche | Björn Schrewe |
| Stammgruppe 2 | Krokodile | Sylvie Nivon |
| Stammgruppe 3 | Pinguine | Doris Fobbe-Reiferscheid |
| Stammgruppe 4 | Delfine | Andrea Wolf |
| Stammgruppe 5 | Papageien | Katja Lehnhardt |
| Mininest | Inge Habig und Christina Klos |
Jede Stammgruppe hat ein Stammgruppenbuch mit Anwesenheitsliste, für Eintragungen über die Kinder und Gruppentreffen.
Die Funktionen der Stammgruppe sind:
• Regelmäßige Treffen von 8:30 – 9:00 Uhr und im anschließenden Morgenkreis
• Orientierung für Eltern. Die Stammgruppenerzieherin ist Ansprechpartnerin auch bei Elternsprechtagen. Organisation von Geburtstagsfeiern
• Die Stammgruppenerzieherin führt den Entwicklungsbogen und die Bildungsdokumentation der Kinder
Die Stammgruppenerzieherin hat in ihrer Verfügungszeit Zeit zur Reflektion, zur Vorbereitung und für Eintragungen in die Entwicklungsbögen. In der Teamzeit am Mittwoch hat sie die Möglichkeit sich bei den Kolleginnen nach bestimmten Kindern und deren Verhalten in anderen Funktionsräumen zu erkundigen. Dies geschieht von 15:00 – 16:00 Uhr im sogenannten „Kinderteam“. Jeweils ein Kind aus jeder Stammgruppe wird mit seinen Bedürfnissen und Problemen zum Thema gemacht und es werden Förderschwerpunkte festgelegt.
Neben ihren Erfahrungen im kleinen Morgenkreis können Kinder Großgruppen wie Vollversammlungen erleben und sich auch in diesem sozialen Feld im Zuhören, Sprechen und später Diskutieren erproben und erfahren.
Strukturmerkmal: Das Freispiel
Das Freispiel hat in der offenen Arbeit einen hohen Stellenwert. Hier kann das Kind vielfältige Erfahrungen machen und besonders seine sozialen Fähigkeiten erproben.
Ab 9:30 Uhr haben alle Kinder die Möglichkeit zum Freispiel in den Funktionsräumen.
An der Magnetwand, zeigen die Kinder durch umhängen ihres Bildes, in welchem Raum sie spielen. Ebenfalls zu erkennen ist dort, welche Erzieherin sich in welchem Funktionsraum befindet und ob der Raum nur mit einer begrenzten Kinderzahl besetzt werden kann.
Die Kinder können ihren persönlichen Spielbedürfnissen nachgehen, indem sie ihren Spielort (Funktionsraum oder Spielecke im Flur), den Spielpartner, das Spielmaterial und die Dauer des Spiels selbst bestimmen. Den Kindern ermöglicht das Freispiel die unterschiedlichsten Erfahrungen, die sie auf vielfältigste Weise in ihrer Entwicklung fördern.
Das Freispiel entspricht unserem ganzheitlichen Verständnis vom Lernen im Vorschulalter. Kinder lernen mit allen Sinnen, ihr Lernen ist an konkrete Situationen und Tätigkeiten gebunden.
Zum einen geht es dabei um soziales Lernen, also darum, mit anderen Kindern und auch Erwachsenen zu Recht zu kommen, zu kooperieren, auf sie einzugehen und sich zu behaupten.
Zum anderen entwickeln sich aber auch Sachinteressen aus alltäglichen Handlungssituationen heraus. Wichtig ist zudem, dass das Lernen in erster Linie aus Aktivitäten resultiert, denen das Kind mit Interesse freiwillig nachgeht.
„Ausgangspunkt ist das Bild vom Kind als aktiven Lerner, das in seiner Auseinandersetzung mit der Umwelt Sinn und Bedeutung sucht.“ |
Das Freispiel bietet den Erzieherinnen die Möglichkeit, das Kind in seinem Spielverhalten zu beobachten, seine Bedürfnisse und Interessen zu erkennen sowie eventuelle Schwächen aufzuarbeiten. Angebote entstehen zum größten Teil aus diesen Beobachtungen.
Strukturmerkmal: Angebote zur Erweiterung der Spielmöglichkeiten
Angebote werden primär durchgeführt, um Kinder mit Spielmöglichkeiten drinnen und draußen vertraut zu machen und ihnen die Grundlagen im Umgang mit Spielsachen und Materialien zu vermitteln.
Im Freispiel können die Kinder die Spielräume dann differenzierter für sich nutzen und die vermittelten Spielansätze und Techniken kreativ weiterentwickeln. Natürlich kommt es über Angebote auch zur Einführung neuer Spielmöglichkeiten, es werden Lieder, Tänze, Geschichten usw. vermittelt oder dem situationsorientierten Ansatz entsprechend Themen der Kinder aufgegriffen.
Angebote werden teilweise mit Teilnehmerbegrenzung zur Auswahl gestellt, z.B. über die Magnettafel im Flur oder durch eine Präsentation im Morgenkreis.
Kinder, die sich kontinuierlich den Angeboten entziehen, bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Es muss herausgefunden werden, warum sich das Kind so verhält und eine angemessene Vorgehensweise beschlossen werden.
Angebote in unserer Einrichtung:
• Grundsätzlich ist die Teilnahme an allen Angeboten freiwillig, mit der Einschränkung, dass die Kinder begonnene Angebote/Projekte beenden sollten. Einzige Ausnahme bilden hier die Maxiprojekte, sie sind für alle Vorschulkinder verpflichtend.
• In der Vormittagszeit nutzen die Erzieherinnen die Bedingungen in den jeweiligen Räumen und unterstützen die Kinder in ihren Vorhaben oder bieten geplante Angebote an.
• Die Planung richtet sich nach Beobachtungen, Bedürfnissen und Wünschen der Kinder. Dabei werden die Jahreszeiten und Feste im Jahresablauf berücksichtigt.
Strukturmerkmal: Projekte als erweiterte Bildungsmöglichkeiten
Projekte sind das Ergebnis von Wahrnehmung, Reflexion und Kindzentrierung. Auch wird unterschieden zwischen den jüngeren und den älteren Kindern, mit denen gegebenenfalls gesonderte Projekte stattfinden.
Strukturmerkmal: Strukturen für mehr Mitverantwortung und Mitwirkung
Den Kindern wird die Möglichkeit der aktiven Mitwirkung durch Besprechungen und Morgenkreis gegeben. Regeln werden gemeinsam mit den Kindern aufgestellt. Kleine Dienste nehmen die Kinder in die Verantwortung für Blumen, Cafeteria, Pflege des Gartens und vieles mehr. Die Gestaltung der Räume wird je nach Möglichkeit mit den Kindern gemeinsam erarbeitet und durchgeführt.
Im Kinderparlament werden von jeweils zwei Abgeordneten pro Gruppe Probleme besprochen und Lösungen erarbeitet. Das Kinderparlament trifft sich einmal pro Monat, die Sitzung wird kindgerecht protokolliert.
Strukturmerkmal: Kooperationsstrukturen im Team
Im unserem Kita arbeiten alle zusammen. Es gilt viele Absprachen zu treffen. Zusätzlich muss während der Teambesprechung viel Zeit für Fallbesprechungen eingeplant werden (Kinderteam). Es gilt viele Meinungen zum einzelnen Kind einzufangen und zu dokumentieren.
Die Planung von Angeboten und Projekten muss mit allen koordiniert werden.
Praxisprobleme werden durch Diskussionen erörtert und führen zu einem Probehandeln, was wiederum nach angemessener Zeit wieder zur Diskussion steht